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Primitiver Trick, auf den die Medien gerne reinfielen

Jan Bollinger (AfD) dementiert: „Die PARTEI“ hat keine AfD-Gruppen unterwandert

Dienstag, 05 September 2017 14:09 geschrieben von 
Jan Bollinger (AfD) dementiert: „Die PARTEI“ hat keine AfD-Gruppen unterwandert Quelle: Facebook

Frankfurt am Main - Für viele Anhänger der AfD war es ein böses Erwachen: Statt Björn Höcke und Jörg Meuthen begrüßte sie der Comedian Serdar Somuncu auf ihren Bildschirmen und wo einst die Logos der Alternative für Deutschland zu finden waren, stand nun „FCK AfD“ und „Die PARTEI“. Die einst als reine Satiriker-Partei gestartete Bewegung um ihren Europaparlamentsabgeordneten Martin Sonneborn ist längst zu einer linken Partei mutiert, die es weniger auf die großen Parteien als vielmehr auf die Rechtspopulisten abgesehen hat. Im Zentrum der stets grenzwertigen, oftmals skurrilen Aktionen steht meistens das Ziel, die ernsten Rechtspopulisten unfreiwillig komisch auf die Schnauze fliegen zu lassen.

Facebook-Gruppen machten plötzlich Werbung für eine Satire-Partei

Gerade hat der Berliner „Die PARTEI“-Aktivist Shahak Shapira einen Coup gelandet, über den alle großen Medienhäuser berichteten: 31 AfD-nahe Facebook-Gruppen wurden vom einen Moment auf den anderen in „Die PARTEI“-Fangruppen umgewandelt und sämtliche Konversationen in den Gruppen von „geheim“ auf „öffentlich“ gestellt. In den Gruppen veröffentlichte Shahak Shapira eine Art Bekennervideo, in dem er behauptete, die Gruppen infiltriert und übernommen zu haben. Ursprünglich seien die Gruppen von „Bots“, also Algorithmen, gegründet worden. Nun würden die Gruppenmitglieder eben nicht mehr von Bots, sondern von echten Menschen „verarscht“.

Gerne stürzten sich Leitmedien wie SPIEGEL online auf die etwas euphemistische Version des Aktivisten Shahak Shapira | Quelle: Screenshot von SPIEGEL online am 5.9.17
Gerne stürzten sich Leitmedien wie SPIEGEL online auf die etwas euphemistische Version des Aktivisten Shahak Shapira
Quelle: Screenshot von SPIEGEL online am 5.9.17

 

Die AfD tischt eine andere Version auf

Doch stimmt diese Geschichte? Laut Shapira sollen zwei Mitglieder des rheinland-pfälzischen Landesverbandes der AfD für die meisten der Gruppen verantwortlich zeichnen. Nun hat sich Dr. Jan Bollinger, Landtagsabgeordneter und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen einer Pressemitteilung zu dem Vorgang geäußert. Seine Geschichte zeichnet ein anderes Bild: Laut Bollinger wurden die Gruppen allesamt vor einigen Monaten gegründet – und zwar von Außenstehenden. Mehrere AfD-Mitglieder hätten daraufhin ihre Gebietsgliederungen kontaktiert, sodass die AfD Bundesgeschäftsstelle in Berlin schließlich sogar den Antrag stellte, die Gruppen löschen zu lassen, was jedoch nicht geschah. In offiziellen Gruppen der AfD waren die plötzlich aufgetauchten Neugründungen in der Tat ein Thema, was diese Geschichte durchaus glaubwürdig erscheinen lässt.

Ein Eigentor für „Die PARTEI“?

Durch Einladungen und über die Facebook-Suche stießen schließlich Zehntausende auf die ominösen Gruppen und schlossen sich ihnen zur Diskussion und Vernetzung an. Nach alledem sieht es eher so aus, als hätte „Die PARTEI“ – möglicherweise mit Hilfe von Bots – die Gruppen gegründet und gesteuert, um vor der Bundestagswahl die Bombe hochgehen zu lassen und so die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die Rechnung der Kleinpartei scheint aufgegangen zu sein. Sollte sich jedoch die AfD-Version in den kommenden Tagen und Wochen als Tatsache bestätigen, sind es am Ende womöglich doch die linken Satiriker, die mit ihrer dann als erlogen enttarnten Kaperung von AfD-Onlinegruppen den Schwarzen Peter haben.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit November 2016 gehört er der Redaktion von SAAR DEPESCHE an.

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