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Kommentar

Deutschland hat gewählt

Montag, 25 September 2017 18:52 geschrieben von  Jörg Pollert
Deutscher Bundestag Deutscher Bundestag

Berlin - Auch wenn die Regierungsparteien gegenüber den Umfragen noch etwas verloren haben, kann das Ergebnis eigentlich nur wenige überraschen: Martin Schulz (SPD) war offensichtlich für mehr als dreiviertel der 61,5 Millionen Wahlberechtigten keine Alternative! Nur wenige (33%) empfanden ihn im Vorfeld als vertrauenswürdig und noch weniger trautem ihm zu, die Probleme des Landes in den Griff zu bekommen.

Damit hat die SPD auch indirekt der AfD in die Karten gespielt, deren Wählerschaft aus soziökonomischer Sicht zu einem Drittel als "Arbeiter" bezeichnet werden kann und somit eigentlich zum Klientel der roten Fraktionen gehörte.

Doch auch Angela Merkel (CDU) konnte einen der Hauptbeweggründe im AfD Wählerlager, die Angst vor der Zukunft, trotz der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland, nicht ausreichend zerstreuen. 20% weniger Stimmen gegenüber 2013 sind auch hier eine deutliche Aussage.

Natürlich wählen auch diejenigen AfD, die politisch zum rechten Rand gehören, aber ob die AfD allein über die Gesinnung ein zweistelliges Ergebnis erreicht hätte, bleibt fraglich.

Die FDP hat sich im Gegensatz zu den großen Parteien klar positioniert und ein gutes Ergebnis eingefahren. Sie ist zurück im Deutschen Bundestag und ohne sie wird es nach der Absage der SPD zu einer erneuten GroKo keine Regierung geben.

Die Grünen haben auf den letzten Metern ihre Stammwähler an die Urne bekommen und auch die Linken landen in etwa bei ihrem Ergebnis von 2013.

Die Protestwähler haben, wie schon so oft, nicht bis zum Ende gedacht. Ihre Stimmen den Parteien am Rand zu geben lässt am Ende nur zwei Möglichkeiten der Regierungsbildung zu und somit ändert sich am Zustand, gegen den man protestieren wollte, nichts.

Doch die SPD scheint zu ihrer demokratischen Verpflichtung zu stehen und will der AfD nicht die Oppositionsführung überlassen. Dafür gebührt ihnen nach vielen Fehlentscheidungen der Respekt.

Der Bundestag reiht sich nun ein in die Reihe der Parlamente mit rechtspopulistischer Beteiligung. Es bleibt spannend. Funktioniert Jamaika? Kann sich die SPD in der Opposition neu formieren und erholen? Und wird die AfD weiter den Sprachgebrauch eines Donald Trump kopieren oder besinnt sich der ein oder andere auf seine Erfahrung in christlicher und vor allem demokratischer Arbeit?

Deutschland jedenfalls hat gewählt.

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