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Grüne „Mobilitätswende“ gescheitert?

Durchschnittlicher CO2-Ausstoß gestiegen: Umweltprämie eine Mogelpackung, Diesel weiter beliebt

Samstag, 20 Januar 2018 18:00 geschrieben von 
Nach wie vor sind die deutschen Hersteller Daimler, Volkswagen und BMW Hersteller der weltbesten Verbrennungsmotoren Nach wie vor sind die deutschen Hersteller Daimler, Volkswagen und BMW Hersteller der weltbesten Verbrennungsmotoren Quelle: BMW

Frankfurt am Main - Seit dem Marketing-Geniestreich der „Energiewende“ ist den PR-Strategen der Parteien klar: Jedes politische Konzept – und sei es noch so unbeliebt – kann man in Verbindung mit dem an den Mauerfall erinnernden Begriff „Wende“ positiv umdeuten. Kein Wunder also, dass 2017 vermehrt von der „Mobilitätswende“ gesprochen wurde.

Gemeint sind damit – wie könnte es anders sein – vornehmlich die Automobile, die sauberer, elektrischer und umweltverträglicher werden sollen. Doch 2017 gab es so manchen Rückschlag zu verzeichnen, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Die E-Auto-Prämie ist gescheitert: Nach 18 Monaten wurden erst 47.000 Anträge gestellt. Nicht nur das Dauerproblem der niedrigen Reichweite in der Praxis, sondern auch die nur unter Ausbeutung von Mensch und Natur in Afrika herstellbaren Batterien werfen bei vielen Verbrauchern weiterhin Fragen auf.

Umweltprämie: Fahrzeuge werden nicht verschrottet, sondern verkauft

Reine nationale Umweltkosmetik scheint hingegen die „Umweltprämie“ für alte Diesel-Fahrzeuge sein. Die Altfahrzeuge sollten eigentlich verschrottet werden, aber vor wenigen Tagen deckte die Branchen- und Wirtschaftszeitung „Automobilwoche“ auf, dass die Hälfte der abgegebenen Fahrzeuge von Zwischenhändlern nach Osteuropa und Afrika verkauft werden.

Der CO2-Ausstoß bei Neuwagen ist sogar gestiegen

Auch beim Ziel, den CO2-Ausstoß der verkauften Neuwagen zu senken, herrschte 2017 nicht nur Stillstand, sondern es wurde sogar ein kleiner Rückschritt erzielt. Stießen die Neufahrzeuge 2016 noch 127,4 Gramm des angeblich „klimaschädlichen“ Gases aus, waren es 2017 0,5 Gramm mehr. 2018 dürfte der Anstieg noch deutlicher ausfallen: Grund dafür wird aber vor allem das realistischere WLTP-Verfahren sein, das den alten NEFZ-Zyklus, mit dem bislang die Normverbräuche für Neuwagen ermittelt wurden, bereits im September 2017 ersetzt hat. Ab sofort müssen die Fahrzeuge nicht nur auf dem Messstand eine realistischere Strecke absolvieren, sondern sie werden auch im realen Straßeneinsatz getestet. Beim NEFZ-Zyklus hatte die internationale Forscherorganisation ICCT 2016 eine Diskrepanz zwischen Norm- und Realverbrauch von sage und schreibe 42 Prozent festgestellt – damit dürfte nun zumindest in dieser Höhe Schluss sein.

Diesel zehn Mal beliebter als alle alternativen Energieformen zusammen

Auch die von der Politik vermittelte Botschaft, der Diesel habe keine Zukunft, findet im Volk wenig Rückhalt. Zwar ist der Anteil der Neuwagen mit Diesel recht deutlich zurückgegangen und beträgt „nur“ noch 38,8 Prozent, aber bedenkt man, dass alternative Antriebsformen wie Elektroantrieb (0,7 Prozent), Gas (0,2 Prozent) und Hybrid (2,5 Prozent) trotz steuerlicher Förderung und Prämien zusammen auf einen Anteil von gerade einmal 3,4 Prozent kommen, werden die Dimensionen deutlich.

2018 sollte die Mobilitätspolitik endlich unter einem anderen Stern stehen: Alternative Antriebe müssen sich unter marktwirtschaftlichen Bedingungen beweisen, der Krieg gegen den Diesel wird beendet und auf unerreichbare Klimaschutzziele sowie dubiose Umweltprämien, die in Wahrheit keine sind, wird verzichtet. Doch all das wird sowohl bei „GroKo“ als auch bei Jamaika vor allem eines bleiben: Wunschdenken.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit November 2016 gehört er der Redaktion von SAAR DEPESCHE an.

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