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Ex-Landeschef Johannes Trampert ausgetreten

Rücktrittswelle bei der AfD Saar nach Parteitag

Dienstag, 05 Mai 2015 19:46 geschrieben von  Johann W. Petersen
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Saarbrücken – Mehrere führende Mitglieder der saarländischen AfD haben aus Protest gegen die Wahl von Josef Dörr zum neuen Landesvorsitzenden ihre Parteiämter niedergelegt. Der bisherige Landeschef Johannes Trampert, der Dörr auf dem Parteitag am 26. April unterlegen war, erklärte sogar seinen Austritt aus der Partei. Gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“ beklagte der ehemalige Schatzmeister Roland Wark „einen ganz klaren Rechtsruck“ bei den Vorstandswahlen. Er habe den Parteitag wegen angeblicher Formfehler angefochten und will erreichen, dass Dörr, der 28 Jahre Mitglied bei den Grünen war, bald wieder abgewählt wird.

Trampert, Wark und 13 weitere Parteifunktionäre hatten als „AfD-Freunde Saar“ am 4. Mai eine Erklärung verschickt, in der sie bemängelten, dass auf dem Parteitag ein „komplett neuer Vorstand gewählt“ wurde, „dessen politische Ausrichtung nicht der bisher erfolgreiche, liberal-konservative Kurs sein wird“. Außerdem distanzierten sie sich „in jeglicher Hinsicht vom neuen Landesvorsitzenden Josef Dörr und seiner abstoßenden Antrittsrede“.

Der 76-jährige pensionierte Schulleiter hatte bei der Zusammenkunft in Dudweiler unter anderem gesagt: „Ein Hauch von Geschichte weht durch diesen Saal. Hier und heute, davon bin ich überzeugt, wird saarländische AfD-Geschichte geschrieben. (…) Wir spüren eine tiefe Glut in uns. An ihr werden wir das Feuer entfachen. Die Missstände in unserem Land sind der Wind, der diese Glut entfacht. Die Flammen wachsen zu einem Flammenmeer und schließlich zu einem Feuersturm. Dieser Feuersturm wird alles hinwegfegen und vernichten, was schlecht ist.“

Dass AfD-Chef Lucke auf dem Parteitag „nur ein Rederecht mittels Geschäftsordnungsantrag eingeräumt“ worden war wird, sehen die Unterzeichner der Erklärung als „einen Affront“ an. „Erst nach erfolgter Belehrung des Versammlungsleiters wurde Prof. Lucke das Wort erteilt“ heißt es in dem Papier. Des Weiteren kritisieren sie: „Bernd Kölmel, ebenfalls Mitglied des Europäischen Parlaments, wurde noch nicht einmal die Möglichkeit eines Grußwortes seitens des Versammlungsleiters eingeräumt.“ Abschließend heißt es in der gemeinsamen Rücktrittserklärung: „Diese Handlungsweisen des Versammlungsleiters und neuen Landesvorsitzenden sind nicht einmal durch die angenommene politische Spätpubertät des Vorsitzenden zu entschuldigen.“

Neben Trampert und Wark haben unterzeichneten die Erklärung Willi Brückmann (Rücktritt Vorsitzender KV St. Wendel, Austritt Kommunalpolitische Vereinigung), Sylvia Wark (Rücktritt Vorstand KV SB-Land, Rücktritt Vorstand GV Heusweiler, Austritt Kommunalpolitische Vereinigung), Erik Wark (Rücktritt Vorstand GV Heusweiler), Dr. Christian Zimmer (Austritt Kommunalpolitische Vereinigung), Adrian Schuler (Rücktritt Vorsitzender GV Heusweiler, Rücktritt Vorstand KV SB-Land, Austritt Kommunalpolitische Vereinigung), Hans-Peter Pflug (Rücktritt Vorsitzender SV St.Ingbert, Rücktritt Sprecher LFA 6, Austritt Kommunalpolitische Vereinigung), Christian Hau (Rücktritt Vorstand SV Homburg), Wolfram Hau (Rücktritt 2. Vorsitzender SV Homburg), Paul Graf (Rücktritt Vorstand SV Homburg), Bernd Kurtz (Rücktritt Sprecher LFA8, Austritt Kommunalpolitische Vereinigung), Christian Pabst (Rücktritt Vorstand SV Püttlingen) und Marc Oehlenschläger (Rücktritt 2. Vorsitzender KV SB-Land, Rücktritt Vorsitzender SV Püttlingen, Austritt Kommunalpolitische Vereinigung).

Der neue AfD-Landeschef Dörr wies unterdessen die Vorwürfe zurück und bestritt, dass es einen Kurswechsel in der saarländischen AfD gibt. „Es gibt absolut keinen Ruck in irgendeine Richtung“, erklärte er gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“. Er selbst denke nicht in Parteiflügeln. Seine Gegner um Trampert bezeichnete er als „schlechte Verlierer“. Die Vorkommnisse verdeutlichen einmal mehr den tiefen Riss, der bis hinunter zur Landes- und kommunalen Ebene durch die AfD geht. Offenbar stehen sich die parteiinternen Lager mittlerweile unversöhnlich gegenüber. Welche Strömung am Ende auch immer die Oberhand behalten wird: ohne erhebliche Reibungsverluste wird dies nicht ablaufen.

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