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Moral statt technischem Verstand?

Verdeckt vom "Diesel-Skandal": Elektroautos im Zwielicht

Freitag, 11 August 2017 15:11 geschrieben von 
Verdeckt vom "Diesel-Skandal": Elektroautos im Zwielicht Bildquelle: PIXABAY.COM

Frankfurt am Main - Neben Fipronil-Eiern war es eines der Aufreger-Themen der letzten Wochen: Kommen nun Diesel-Fahrverbote und haben Diesel-Fahrzeuge überhaupt eine Zukunft? Mittlerweile ist klar: Die Vorgaben der Euro-6-Abgasnorm können mit Softwareupdates wohl tatsächlich eingehalten werden, sodass zumindest den Euro 5 und Euro 6 Dieselfahrzeugen nicht das totale Aus droht. Für die älteren Dieselfahrzeuge bieten nun zahlreiche Hersteller Eintauschprämien gegen Neuwagen an. Gerade erst wurde bekannt, dass auch der hessische Autobauer Opel mitmacht und je nach gekauftem Model bis zu 7000 Euro Nachlass für den Eintausch gegen einen alten Diesel gewährt, der anschließend verschrottet wird.

Völlig ins Hintertreffen geraten ist bei der Diskussion der Umstand, dass auch der Elektroauto-Platzhirsch Tesla aktuell mit Problemen zu kämpfen hat. Zum einen wären da die Arbeitsbedingungen: Längst ist bekannt, dass die Fertigung von Elektroautos deutlich weniger arbeitsintensiv ist als die von konventionellen Fahrzeugen. Arbeitsplatzverluste scheinen daher bei einer fortschreitenden Elektrifizierung des PKWs auch in Deutschland unvermeidbar. Bei Tesla, dessen neues Einstiegsklasse „Model 3“ in den USA erstaunlich günstige 35.000 Euro kosten soll, sind die vergleichsweise wenigen Arbeitsplätze aber auch noch überdurchschnittlich unsicher und unterdurchschnittlich bezahlt.

Tesla steht in der Kritik

So soll etwa die Verletzungsrate im Werk in Freemont 31 Prozent über dem Durchschnitt in der US-Automobilindustrie liegen. Die Löhne liegen mit durchschnittlich 15 Dollar pro Stunde hingegen deutlich unter den 26 Dollar, die in der Autoregion Detroit bezahlt werden. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten im Silicon Valley, wo Freemont liegt, deutlich höher.

Studie: Elektroautos viel unsauberer als gedacht

Bereits im Juni sorgte eine Studie des schwedischen Umweltministeriums für Aufsehen, die ergab, dass ein Elektroauto sich in puncto CO2-Ausstoß im Vergleich zu einem Verbrenner erst nach drei bis acht Jahren – je nach Model – rechnet. Grund dafür sind die enormen CO2-Emissionen bei der Produktion der Batterien, die proportional zur immer weiter steigenden Batterie-Kapazität zunehmen. Damit ist das Elektroauto vorerst als Klimakiller entlarvt – zumal die bei der Stromproduktion entstehenden CO2-Gase noch gar nicht berücksichtigt wurden.

Horror-Reportage: Kinderarbeit für Autoakkus

Aktuell sorgt eine Reportage des britischen Fernsehsenders Sky News im Kongo für Entsetzen: Dort arbeiten 40.000 Kinder in Kobalt-Minen unter schrecklichen, gesundheitsschädigenden Bedingungen. Die Bilder von den vier bis acht Jahre alten Kindern schockieren und da der Kongo Weltmarktführer in der Kobalt-Produktion ist, kaufen alle großen Elektroautohersteller dort ein. Der Hype um die Elektroautos mutet immer mehr wie ein großer Ablasshandel an: Weil nichts aus dem Auspuff kommt, fahren wohlhabende hippe Europäer mit einem Auto, dessen Produktion Unmengen an Energie und vor allem Menschenleben kostet. Werden diese Probleme nicht gelöst, kann die Elektromobilität keine Alternative sein.

Letzte Änderung am Sonntag, 27 August 2017 13:35
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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit November 2016 gehört er der Redaktion von SAAR DEPESCHE an.

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