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Gewagte Forderung des VdK

Inklusionspflicht für private Unternehmen?

Samstag, 28 Oktober 2017 14:05 geschrieben von  Robin Classen
Symbolfoto Symbolfoto Bildquelle: PIXABAY.COM

Saarbrücken - Mit über 1,8 Millionen Mitgliedern ist der VdK Deutschland e.V. der größte Sozialverband der Bundesrepublik. Zum vielfältigen Themenspektrum des Vereins gehört auch die Inklusion von Menschen mit Behinderungen.

Seit Anfang 2016 machte der VdK deshalb im Rahmen der Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ auf Umstände im Alltagsleben aufmerksam, die für Behinderte zum Problem werden können: Neben den erwartbaren Stufen vor Arztpraxen und Restaurants zählt der VdK dazu allerdings sogar den Umstand, dass nicht jede TV-Sendung mit Untertiteln und Gebärdensprache versehen wird.

VdK fordert Inklusionszwang und 800 Millionen Euro im Jahr

Bei Behörden gibt es bereits eine Pflicht zur Barrierefreiheit und diese fordert der VdK nun auch für private Unternehmen. Durch ähnliche Töne aus den Reihen der Behindertenbeauftragten sieht er sich in dieser Hinsicht bestätigt. Das Prinzip Freiwilligkeit funktioniere im privatwirtschaftlichen Bereich nicht, erklärte die VdK-Präsidentin Ulrike Mascher in der Mitgliederzeitung und fordert einheitliche Vorgaben, die innerhalb von befristeten Zeiträumen umgesetzt werden müssten und ein Investitionsprogramm des Bundes von sage und schreibe 800 Millionen Euro im Jahr.

Völlig unrealistische Ideen

Doch selbst dieser Betrag dürfte bei weitem nicht ausreichen: Im Alltag sind die Barrieren gerade in Altstädten nahezu unzählbar und oftmals verhindert auch der Denkmalschutz, der Raumzuschnitt oder die Statik einen behindertengerechten Umbau. Der Gedanke an eine Welt, in der Behinderten ihre Einschränkung kaum noch auffällt, ist ein schöner, doch er wird vermutlich ein Traum bleiben. Ob Dauer-Gebärdensprache und permanente Untertitel im Fernsehen oder die Verwandlung unserer Städte in Baustellen: Die VdK-Vorschläge sind jedenfalls weit davon entfernt, realisierbar zu sein und am Ende könnten sich die Forderungen gerade für kleine Unternehmen ruinös auswirken.

Das Gute an den VdK-Forderungen

Und trotzdem haben die entrückten Träume der Sozialromantiker letztlich etwas Gutes: Sie regen zum Nachdenken über die Frage an, auf wie viel Komfort und Geld wir eigentlich bereit sind zu verzichten, um den oftmals im Alltag unsichtbaren Menschen mit Einschränkungen das Leben etwas zu vereinfachen. Dieser Frage muss sich unsere Gesellschaft tatsächlich immer wieder aufs Neue stellen.

Letzte Änderung am Sonntag, 29 Oktober 2017 14:10
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