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Schlichtungsempfehlung von Matthias Platzeck (SPD) angenommen

Lufthansa und UFO vereinbaren langfristigen Tariffrieden

Freitag, 08 Juli 2016 01:48 geschrieben von 
Lufthansa und UFO vereinbaren langfristigen Tariffrieden Quelle: PIXABAY.COM | Deutsche Lufthansa AG

Köln – Die Deutsche Lufthansa AG und die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) haben in dieser Woche die Schichtungsempfehlung des ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) angenommen. Zuvor hatten die Tarifpartner knapp ein halbes Jahr über alle offenen Tarifverträge sowie zahlreiche weitere Punkte verhandelt. Mit der nun gefundenen Einigung kann sowohl die Konzernleitung als auch die Gewerkschaft gut leben.

Die Schlichtungsvereinbarung sieht einen langfristigen Tariffrieden vor. Demnach soll der Vergütungstarifvertrag bis zum 30. Juni 2019 laufen, die Tarifverträge zur Alters- und Übergangsversorgung sogar bis 2023. Darüber hinaus haben Lufthansa und UFO bis 2023 verschiedene Konfliktlösungsmechanismen vereinbart. So kann das Unternehmen beispielsweise bei einem angekündigten Vollstreik einen Schlichter anrufen und einen möglichen Arbeitskampf in einen verpflichtenden Schlichtungsprozess überführen.

Lufthansa und UFO haben sich zudem auf ein neues System der Alters- und Übergangsversorgung geeinigt. Demnach kann der von Vorstandschef Carsten Spohr geleitete Konzern für die zweitgrößte Mitarbeitergruppe von einem Defined-Benefit-System auf ein Defined-Contribution-System umstellen. Im November hatte sich Lufthansa bereits mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die Bodenmitarbeiter auf den Einstieg in ein Defined-Contribution-System geeinigt. Durch diesen Wechsel – von einer festen Leistungszusage bei der Altersversorgung hin zu einem festen Beitrag, der sich dann am Kapitalmarkt verzinst – kann das Unternehmen die Kosten und Risiken für die Versorgung senken. Die Deutsche Lufthansa AG leistet für die Altersversorgung der Kabinenmitarbeiter zukünftig einen Gesamtbeitrag in Höhe von 5,2 Prozent des versorgungsfähigen Gehalts.

Das neue Altersversorgungssystem sieht vor, dass Kabinenmitarbeiter weiter ab dem 55. Lebensjahr aus dem Flugdienst ausscheiden können. Neu eingestellte Mitarbeiter erhalten für die ersten fünf Jahre keine Beiträge zur Alters- und Übergangsversorgung, es sei denn, sie absolvieren eine spezifische Ausbildung auf Bachelorniveau. Ohne diese Ausbildung erhalten neue Mitarbeiter auch nach fünf Jahren keine Übergangsversorgung. Zukünftig können Mitarbeiter die nicht in Anspruch genommene Übergangsversorgung nutzen, um das Leistungsniveau ihrer betrieblichen Altersversorgung zu erhöhen. Eine Absicherung aller Mitarbeiter für den Fall einer dauerhaften Flugdienstuntauglichkeit bleibt erhalten. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 10 Jahren ab dem 1. Januar 2014.

Auch bei der Vergütung ändert sich einiges: Die rund 19.000 Kabinenmitarbeiter der Lufthansa erhalten vom 1. Oktober 2016 an eine Gehaltserhöhung von einem Prozent und weitere zwei Prozent ab dem 1. Januar 2018. Der Vergütungstarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30. Juni 2019. Außerdem haben sich die Tarifpartner auf eine qualifikationsabhängige Vergütungsstruktur verständigt. Das Unternehmen wird demnach in Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) eine 18-monatige Ausbildung auf Bachelorniveau anbieten. Dadurch erhofft sich die Lufthansa eine weitere Steigerung des hohen Qualifikations- und Serviceniveaus ihrer Mitarbeiter in der Kabine. Nur Flugbegleiter, die diese Ausbildung absolviert haben, können zukünftig Vergütungsstufen oberhalb der Stufe acht erreichen, die einer Grundvergütung von rund 2.150 Euro pro Monat entspricht.

Verbunden mit den Neuerungen ist auch eine Beschäftigungsgarantie für alle Kabinenmitarbeiter der Lufthansa bis 2021, da das Unternehmen betriebsbedingte Beendigungskündigungen für die Dauer von fünf Jahren ausschließt. Außerdem wurde zwischen Lufthansa und UFO vereinbart, dass die Betriebsmannschaft der Flugzeuge des Unternehmens nicht durch Fremdpersonal ergänzt werden dürfen. Lufthansa kündigte unterdessen an, noch in diesem Jahr 1.400 neue Flugbegleiter einzustellen.

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Michael Krug

Michael Krug (Jahrgang 1974) kam vor Jahren aus dem norddeutschen Hamburg nach Sachsen.

Seine alte und seine neue Heimat verbindet die Elbe. Heute pendelt er zwischen Dresden und Frankfurt am Main. Ursprünglich aus der volkswirtschaftlichen Richtung kommend, entwickelte sich der studierte Journalist zu einem Vollblutberichterstatter aus Politik, Medien, Lifestyle, Kultur und Wirtschaft. Seit Mai 2016 gehört er unserer Redaktion an.

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