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Ab 2019: Paritätische Finanzierung des Krankenkassenzusatzbeitrags

Teuerste Krankenkasse Viactiv senkt den Beitrag

Freitag, 26 Oktober 2018 20:49 geschrieben von 

Frankfurt am Main - Die Viactiv Krankenkasse hieß einst „BKK vor Ort“ und beinhaltete auch die BKK Opel, die sich insbesondere an Opel-Beschäftigte richtete. Seit 2015 hat sich die bundesweit geöffnete Kasse in Viactiv Krankenkasse umbenannt und wirbt nun vornehmlich um sportliches Publikum.

Sportlich war bislang jedoch auch der Zusatzbeitrag: Mit 1,7 Prozent gibt es in Deutschland keine Kasse, die mehr Geld verlangt. Je nach Gehalt konnte man – allein vom Zusatzbeitrag her betrachtet – mit einem Wechsel zu einer deutlich günstigeren Kasse im Jahr mehrere hundert Euro sparen.

Viactiv: „Sehr gut“ getestet, aber bislang auch sehr teuer

Trotzdem hat die Viactiv 700.000 Kunden – und das hat laut mehrerer aktueller Tests den Grund, dass die Leistungen besonders gut sind. Im September vergab das Portal Krankenkasseninfo.de etwa die Note „Sehr gut“ (1,2) und auch das Deutsche Institut für Service-Qualität vergab in seinem in Kooperation mit NTV durchgeführten Vergleichstest die Bestnote „Sehr gut“ mit 82,6 Punkten. Lediglich die Techniker Krankenkasse konnte noch einen Tick besser abschneiden. Sie ist allerdings mit einem Zusatzbeitrag von nur 1,0 Prozentpunkten auch noch deutlich günstiger.

Viactiv-Kunden profitieren 2019 doppelt

Im nächsten Jahr dürften die Zusatzbeiträge aber für die Krankenversicherten an Bedeutung verlieren. Ab 2019 zahlt die Hälfte des Zusatzbeitrages nämlich wieder der Arbeitgeber, sodass ein Wechsel der Krankenkasse allein aus Kostengründen für den Arbeitnehmer deutlich an Attraktivität verliert. Außerdem will die Viactiv, nachdem sie für einige Zeit die „rote Laterne“ der teuersten Krankenkasse innehatte, nun den Zusatzbeitrag senken: „Das Halbjahresergebnis ist bei uns erneut gut, so dass wir 2019 die Beiträge definitiv senken werden. Dies wird ohne Kürzungen von Leistungen geschehen. So viel kann ich an dieser Stelle ankündigen. Der Zeitpunkt ist noch nicht endgültig entschieden.“, erklärte der Viactiv Vorstandsvorsitzende Reinhard Brücker im Kundenmagazin.

Ob die Viactiv also 2019 nicht mehr die teuerste gesetzliche Krankenkasse Deutschland sein wird? Das wird auch davon abhängen, wie stark die Konkurrenzkassen ihrerseits die Beiträge senken, denn die Finanzlage ist aktuell nicht nur bei der Viactiv gut.

Arbeitnehmer dürfen auch künftig Kasse selbst wählen

Keinen Einfluss auf die Wahl der Krankenkasse ausüben dürfen übrigens die Arbeitgeber. Vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) hatte bereits 2011 ein Wettbewerbsverband wegen entsprechender Vorfälle im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses einer Klinik geklagt und gewonnen (Landgericht Frankfurt (Oder), Aktenzeichen 31 O 157/10). Die Klinik wurde unter Androhung von Ordnungsmitteln zur Unterlassung verurteilt. Es liege zumindest ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vor, weil das Wahlrecht gemäß § 173 SGB V dem Versicherungspflichtigen obliege und nicht dem Arbeitgeber. Eine Berufung gegen das Urteil wurde nach einem Hinweis auf deren Aussichtslosigkeit durch das Brandenburgische Oberlandesgericht von der Klinik zurückgenommen. Künftig, wenn durch die vollständig paritätische Finanzierung der Krankenversicherung die Wahl der Kasse dem Arbeitgeber nicht mehr finanziell egal sein kann, könnte es verstärkt zu Versuchen kommen, die Angestellten in eine günstige Kasse zu drängen.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit November 2016 gehört er der Redaktion von SAAR DEPESCHE an.

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